10. orthopaedicum Marburg Kniekurs 2026

Prof. Dr. Christoph Becher referiert über Patella und Kniepathologien

Der 10. orthopaedicum Marburg Kniekurs findet am 29. und 30. Mai 2026 im Congresszentrum Marburg statt und feiert damit sein Jubiläum als eine etablierte sportorthopädische Fortbildungsveranstaltung im deutschsprachigen Raum. Unter dem Motto „Das Beste aus den letzten 10 Jahren“ erwartet Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein hochkarätig besetztes Programm aus Live-Untersuchungen, Videopräsentationen, Falldiskussionen und einem praktischen Workshop.

Die Veranstaltung im Überblick

Was vor einem Jahrzehnt als engagierte Fortbildungsplattform an der Philipps-Universität Marburg begann, hat sich zu einem festen Bestandteil der kniechirurgischen Weiterbildungslandschaft entwickelt. Der Kurs richtet sich gleichermaßen an Orthopäden, Unfallchirurgen, Sportmediziner und Physiotherapeuten und bringt führende Expertinnen und Experten aus Deutschland und Europa zusammen.

Alle Informationen und die Anmeldung: www.orthopaedicum-kongresse.de

Prof. Dr. Christoph Becher – Experte für Gelenkerhalt und Kniechirurgie

Zu den namhaften Referenten zählt Prof. Dr. med. Christoph Becher vom Internationalen Zentrum für Orthopädie an der ATOS Klinik Heidelberg. Seine klinischen Schwerpunkte liegen in der Knieendoprothetik, dem Gelenkerhalt an Knie- und Sprunggelenk sowie bei Achillessehnenerkrankungen – Expertise, die er in den Kurs einbringt.

Im Rahmen des Themenschwerpunkts „Patella und Orthobiologie“ (ab 09:00 Uhr, Freitag, 29. Mai 2026) übernimmt Prof. Dr. Becher den Vorsitz der Session, gemeinsam mit Dr. Arno Schmeling (Berlin) und referiert zum Thema:

„Patellaerstluxation – wie behandeln?“

Das Programm – zwei intensive Tage Kniechirurgie

Freitag, 29. Mai 2026 | Congresszentrum Marburg

Das Tagesprogramm umfasst sieben thematische Blöcke:

  • Patella & Orthobiologie inkl. patellofemorales Schmerzsyndrom, Orthobiologie bei Sehnenläsionen, Mikronährstoffe im Sport
  • Live-Untersuchung & Live-Sonographie – klinische Knieuntersuchung von A bis Z
  • Meniskus – aktuelle Updates zu Wurzel- und Rampenläsionen, Scheibenmeniskus, operative Nahttechniken
  • Ligamente – vordere Kreuzbandplastik, mediale Rekonstruktion, anterolaterale Stabilisierung
  • Revisions- und Kombinationseingriffe – Bohrkanalauffüllung, Slopekorrektur, Kreuzbandrevision
  • Round Table: Physio meets Doctor – Hintere Kreuzbandruptur interdisziplinär diskutiert
  • Blick über den Tellerrand – perioperatives Management, Quadrizepsverletzungen, juristische Fragen aus der Kniechirurgie

Samstag, 30. Mai 2026 | Institut für Anatomie & Zellbiologie Marburg

Im Workshop können operative Techniken am Präparat erprobt werden, von der diagnostischen Arthroskopie über Kreuzbandplastiken bis hin zu peripherer Stabilisation, MPFL-Plastik und Slopekorrektur.

Was ist eine Patellaluxation?

Die Patella – umgangssprachlich die Kniescheibe – ist ein kleiner, aber funktionell wichtiger Knochen im vorderen Kniegelenk. Sie gleitet bei jeder Beuge- und Streckbewegung in einer knöchernen Führungsrinne, der sogenannten Trochlea, und überträgt dabei die Kraft des Oberschenkelmuskels auf den Unterschenkel.

Von einer Patellaluxation spricht man, wenn die Kniescheibe aus dieser Führungsrinne herausspringt, meist nach außen. Dies geschieht häufig plötzlich, etwa bei einer Drehbewegung im Sport, einem Sturz oder einem direkten Aufprall. Betroffene spüren in der Regel einen heftigen Schmerz, das Knie schwillt rasch an und die Kniescheibe ist sichtbar oder tastbar aus ihrer normalen Position verschoben.

Mögliche Ursachen und Risikofaktoren

Eine Patellaluxation entsteht selten durch einen einzelnen Faktor, meist spielen mehrere Einflüsse zusammen:

Anatomische Besonderheiten

Bei manchen Menschen ist die knöcherne Führungsrinne der Kniescheibe flacher als normal (Trochleadysplasie) oder der Ansatzpunkt der Kniescheibensehne am Schienbeinknochen liegt zu weit außen. Diese anatomischen Varianten erhöhen das Risiko erheblich.

Muskelschwäche und Fehlspannung

Ein Ungleichgewicht der Oberschenkelmuskulatur, insbesondere ein zu schwacher innerer und ein zu starker äußerer Anteil, kann dazu führen, dass die Kniescheibe dauerhaft nach außen gezogen wird.

Bindegewebsschwäche

Menschen mit einer angeborenen Überbeweglichkeit der Gelenke (Hypermobilität) sind häufiger betroffen, da die stabilisierenden Bänder weniger Halt geben.

Achsfehlstellungen

X-Beine (Valgusstellung) oder eine nach innen gedrehte Oberschenkelachse begünstigen ebenfalls eine seitliche Verschiebung der Kniescheibe.

Sportliche Belastung

Ballsportarten mit schnellen Richtungswechseln (Fußball, Basketball, Handball) sowie Kampfsport und Turnen zählen zu den häufigen Auslösern.

Behandlungsoptionen: Konservativ oder operativ?

Nach einer erstmaligen Patellaluxation stellt sich die entscheidende Frage: Reicht eine konservative Behandlung oder ist ein operativer Eingriff notwendig? Diese Abwägung ist individuell und hängt von mehreren Faktoren ab.

Konservative Behandlung

Bei einer unkomplizierten Erstluxation ohne begleitende Knorpel- oder Knochenschäden wird zunächst häufig ein konservativer Weg eingeschlagen:

  • Ruhigstellung und Abschwellung in den ersten Tagen
  • Physiotherapie zur gezielten Kräftigung der kniescheibenstabilisierenden Muskulatur
  • Orthesen und Taping zur Unterstützung der Führung der Kniescheibe
  • Schrittweiser Belastungsaufbau und sportartspezifisches Training

Das Risiko einer erneuten Luxation (Rezidiv) ist jedoch erheblich: Studien zeigen, dass es bei jungen, sportlich aktiven Patienten ohne Operation bei bis zu 40–50 % liegen kann.

Operative Behandlung

Ein chirurgischer Eingriff wird insbesondere dann empfohlen, wenn:

  • Knorpel- oder Knochenfragmente im Gelenk vorliegen (sog. osteochondrale Läsionen)
  • Eine ausgeprägte anatomische Fehlanlage besteht (z. B. Trochleadysplasie)
  • Bereits eine oder mehrere Rezidivluxationen stattgefunden haben
  • Konservative Maßnahmen keine ausreichende Stabilität erzielen

Die häufigsten operativen Verfahren umfassen:

MPFL-Plastik

Rekonstruktion des medialen patellofemoralen Ligaments, des wichtigsten Haltebandes der Kniescheibe nach innen. Es wird mithilfe einer körpereigenen Sehne neu aufgebaut und gilt heute als Standardverfahren bei rezidivierender Patellaluxation.

Trochleaplastik

Bei einer besonders flachen oder fehlgeformten Führungsrinne kann diese operativ vertieft werden, um der Kniescheibe wieder eine stabile Gleitbahn zu geben. Dieses anspruchsvolle Verfahren kommt bei ausgeprägter Trochleadysplasie zum Einsatz.

Tuberositasosteotomie

Verlagerung des knöchernen Ansatzes der Kniescheibensehne, um die Zugrichtung der Kniescheibe zu korrigieren. Häufig in Kombination mit anderen Eingriffen durchgeführt.

Mehr über Prof. Dr. Becher erfahren Sie in seinem Ärzteprofi.

Banner mit Prof. Dr. Becher abgebildet und seinem Namen.