Kniechirurgie zwischen Innovation und Ökonomie: Prof. Becher leitet den DKG-Kongress 2026 mit

Auf den Punkt: Am 27. und 28. November 2026 findet in München der 15. Jahreskongress der Deutschen Kniegesellschaft (DKG) statt. Das Motto: „Kniechirurgie im Spagat zwischen Innovation und Ökonomie“. Prof. Dr. med. Christoph Becher vom Internationales Zentrum für Orthopädie an der ATOS Klinik Heidelberg gehört gemeinsam mit PD Dr. med. Jörg Dickschas und PD Dr. med. Theresa Diermeier zur Tagungsleitung. Am 27. November spricht er über die Grenzen der patellofemoralen Endoprothetik, also des Teilgelenkersatzes hinter der Kniescheibe, und leitet drei Sitzungen. Am 28. November hält er außerdem einen Vortrag zur Injektionstherapie bei Kniearthrose.

Ende November trifft sich die Kniechirurgie in München. Beim 15. Jahreskongress der Deutschen Kniegesellschaft (DKG) diskutieren Ärztinnen und Ärzte aus dem In- und Ausland, wie sich medizinischer Fortschritt, wirtschaftliche Realität und eine patientenorientierte Versorgung vereinbaren lassen.

Mittendrin: Prof. Dr. med. Christoph Becher, Leitender Facharzt am Internationalen Zentrum für Orthopädie (IZO) der ATOS Klinik Heidelberg. Er gehört zur Tagungsleitung und spricht über eine Fragestellung, die bei der Behandlung bestimmter Erkrankungen des Knies eine Rolle spielt: wann ein Teilgelenkersatz hinter der Kniescheibe infrage kommen kann und wo seine Grenzen liegen.

Worum geht es beim DKG-Kongress 2026?

Robotik, neue Implantatdesigns und biologische Verfahren erweitern die Möglichkeiten in der Kniechirurgie. Gleichzeitig wächst der wirtschaftliche Druck im Gesundheitswesen. Auf dem Kongress geht es deshalb auch um die Frage, welche Neuerungen im Versorgungsalltag tatsächlich einen Unterschied machen. Auf dem Programm stehen Plenarvorträge, Abstractvorträge und eine Posterausstellung.

Prof. Becher auf dem Kongress 

Prof. Becher ist an beiden Kongresstagen aktiv: als Teil der Tagungsleitung, als Vorsitzender und Moderator sowie mit zwei Vorträgen.

DatumUhrzeitSitzungRolle
Fr 27.11.11:00–12:30Grenzindikationen des Gelenkerhalts (fallbasiert), Forum 6Vorsitz mit Dr. Jörg Harrer
Fr 27.11.11:48Vortrag „Grenzen der patellofemoralen Endoprothetik“Referent
Fr 27.11.16:00–16:45Highlight-Sitzung „The Road to Success – 50 Years of Experience“ mit Jon Karlsson, Forum 12Vorsitz und Einführung
Fr 27.11.17:00–18:30Battle-Sitzung mit Live-Voting, Forum 12Moderation
Sa 28.11.12:15–13:00Symposium zur Injektionstherapie bei Gonarthrose, Forum 9Referent

Das Symposium am 28. November wird von der Industrie unterstützt.

Weitere Informationen zum DKG-Kongress 2026: knie-komplex.de

Was ist eine Arthrose hinter der Kniescheibe?

Hinter der Kniescheibe liegt das Patellofemoralgelenk, einer der drei Gelenkabschnitte des Knies. Hier gleitet die Kniescheibe bei jeder Beugung in einer Rinne am Oberschenkelknochen. Ist der Knorpel in diesem Bereich verschlissen, spricht man von einer Patellofemoral- oder Retropatellararthrose.

Beschwerden treten häufig vorne am Knie auf, zum Beispiel beim Treppabgehen, beim Aufstehen aus der Hocke oder nach längerem Sitzen mit gebeugten Knien. Mögliche Ursachen sind unter anderem eine instabile oder ungünstig laufende Kniescheibe, eine flache Gleitrinne (Trochleadysplasie) oder frühere Verletzungen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Behandlungsansätze bei Arthrose hinter der Kniescheibe im Überblick

AnsatzWas passiertMögliche AusgangssituationBesonderheit
Konservative BehandlungZ. B. Physiotherapie mit Kräftigung der Oberschenkel- und Hüftmuskulatur, Anpassung der Belastung, SchmerztherapieHäufig erster Schritt, abhängig von Befund und LeidensdruckKeine Operation
Gelenkerhaltende VerfahrenZ. B. Knorpeltherapie oder Korrektur der KniescheibenführungUmschriebene Knorpelschäden, Fehlführung oder Instabilität der KniescheibeDas eigene Gelenk bleibt erhalten
Patellofemorale TeilprotheseErsatz der Gleitfläche am Oberschenkel und der Rückfläche der KniescheibeArthrose auf das Kniescheibengelenk begrenzt, stabile KniescheibenführungÜbrige Gelenkabschnitte und Kreuzbänder bleiben erhalten
Vollprothese (Knie-TEP)Ersatz der verschlissenen Gelenkflächen in mehreren GelenkabschnittenArthrose in mehreren GelenkabschnittenKann auch später nach einer Teilprothese infrage kommen

Die genannten Beispiele dienen der allgemeinen Orientierung. Welche Behandlung im Einzelfall infrage kommt, wird anhand von Beschwerden, ärztlicher Untersuchung und Bildgebung beurteilt.

Wo liegen die Grenzen der patellofemoralen Endoprothetik?

Genau diese Frage steht im Mittelpunkt des Vortrags von Prof. Becher. Ein patellofemoraler Teilgelenkersatz kann bei ausgewählten Patientinnen und Patienten eine Behandlungsoption darstellen. Ob er im Einzelfall geeignet ist, hängt unter anderem von der Verteilung der Arthrose, der Stabilität und Führung der Kniescheibe sowie weiteren individuellen Befunden ab. An ihre Grenzen stößt sie unter anderem hier:

  • Arthrose in weiteren Gelenkabschnitten, also auch im inneren oder äußeren Bereich des Knies
  • Nicht korrigierte Instabilität oder Fehlführung der Kniescheibe
  • Entzündlich-rheumatische Gelenkerkrankungen

Hinzu kommt die Langzeitperspektive: Schreitet die Arthrose später in anderen Bereichen des Knies fort, kann eine Umwandlung in eine Vollprothese notwendig werden. In der Fachdiskussion spielen außerdem unterschiedliche Implantatdesigns eine Rolle: Inlay-Prothesen werden bündig in die natürliche Gleitrinne eingesetzt, während Onlay-Prothesen nach einem vorderen Knochenschnitt die gesamte vordere Gleitfläche ersetzen. Welche Designmerkmale im Einzelfall relevant sind, hängt unter anderem von der individuellen Anatomie und dem Befund ab.

Was erwartet die Teilnehmenden außerdem?

In der Highlight-Sitzung blickt Jon Karlsson (Göteborg) auf 50 Jahre Erfahrung in der Kniechirurgie zurück. Prof. Becher führt gemeinsam mit Prof. Dr. Steffen Schröter (Siegen) und Dr. Christian Schoepp (Duisburg) durch die Sitzung. Zum Abschluss des Tages moderiert er mit Prof. Dr. Hermann Mayr (München) und PD Dr. med. Theresa Diermeier (Berlin) eine Battle-Sitzung: Jeweils zwei Referierende beleuchten ein Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Themen sind unter anderem Sport nach Teilgelenkersatz, Robotik, Kreuzbandplastik bei Hobbysportlerinnen und Bracing.

Häufige Fragen

Wann und wo findet der DKG-Kongress 2026 statt?

Der 15. Jahreskongress der Deutschen Kniegesellschaft findet am 27. und 28. November 2026 im Holiday Inn City Center in München statt. Ausrichter ist die Deutsche Kniegesellschaft e.V.

Wer leitet den DKG-Kongress 2026?

Die Tagungsleitung bilden PD Dr. med. Jörg Dickschas (Klinikum Bamberg), PD Dr. med. Theresa Diermeier (Unfallkrankenhaus Berlin) und Prof. Dr. med. Christoph Becher (Internationales Zentrum für Orthopädie, ATOS Klinik Heidelberg).

Was ist eine patellofemorale Prothese?

Eine patellofemorale Prothese ist ein Teilgelenkersatz. Ersetzt werden nur die Gelenkflächen hinter der Kniescheibe und die Gleitrinne am Oberschenkelknochen. Die übrigen Gelenkabschnitte und die Kreuzbänder bleiben erhalten.

Wann kommt eine Teilprothese hinter der Kniescheibe nicht infrage?

In der Regel nicht, wenn die Arthrose auch andere Bereiche des Knies betrifft, eine entzündlich-rheumatische Gelenkerkrankung vorliegt oder eine Instabilität der Kniescheibe nicht behoben ist. Die Beurteilung erfolgt individuell.

Muss eine Arthrose hinter der Kniescheibe operiert werden?

Nicht zwingend. Häufig wird zunächst konservativ behandelt, etwa mit Physiotherapie. Ob und welche Operation infrage kommt, hängt von Beschwerden, Befund und persönlicher Situation ab.

Kurzes Glossar

Patellofemoralgelenk – Gelenk zwischen Kniescheibe und Oberschenkelknochen.

Trochlea – Gleitrinne am Oberschenkelknochen, in der die Kniescheibe läuft.

Trochleadysplasie – flache oder fehlgeformte Gleitrinne, die die Führung der Kniescheibe beeinträchtigen kann.

Retropatellararthrose – anderer Begriff für die Arthrose hinter der Kniescheibe.

Inlay- / Onlay-Design – Prothesentypen, die in die Gleitrinne eingesetzt werden bzw. die vordere Gleitfläche ersetzen.

Endoprothese – ein dauerhaft im Körper verbleibendes Gelenkimplantat.

Banner mit Prof. Dr. Becher abgebildet und seinem Namen.

Über den Experten

Prof. Dr. med. Christoph Becher ist Leitender Arzt am Internationalen Zentrum für Orthopädie (IZO) der ATOS Klinik Heidelberg. Zu seinen fachlichen Schwerpunkten zählen die Knieendoprothetik, der Gelenkerhalt an Knie- und Sprunggelenk sowie die Behandlung von Achillessehnenerkrankungen. 2026 gehört er zur Tagungsleitung des Jahreskongresses der Deutschen Kniegesellschaft.

Mehr über Prof. Dr. Becher erfahren Sie in seinem Ärzteprofil.

Die Informationen in diesem Beitrag dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle ärztliche Untersuchung und Beratung.