Prof. Dr. Rainer Siebold auf dem APKASS 2026 Korea: Zwei Fachvorträge zur Kniechirurgie
Vom 10. bis 12. September 2026 findet in Incheon, Südkorea, ein internationaler Fachkongress für Knie- und Sportmedizin statt: der APKASS 2026 Korea & ICKAS 2026. Prof. Dr. Rainer Siebold vom Internationalen Zentrum für Orthopädie an der ATOS Klinik Heidelberg hält dort zwei Vorträge, einen über die Kombination aus Beinachsen-Korrektur und Knorpeltransplantation, einen über die Kreuzbandchirurgie.
Ein internationales Forum für Knie- und Sportmedizin
Der APKASS 2026 Korea & ICKAS 2026 ist ein internationaler Fachkongress für Orthopädie, Arthroskopie, Gelenkerhalt und Sportmedizin. Veranstaltet wird er von der Asia-Pacific Knee, Arthroscopy, Arthroplasty, Shoulder, and Sports Medicine Society (APKASS) gemeinsam mit der Korean Arthroscopy Society (KAS). Teilnehmende aus Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin kommen überwiegend aus dem asiatisch-pazifischen Raum, ergänzt durch Fachkolleginnen und -kollegen aus Europa und Nordamerika.
Ein großer Teil des Programms besteht aus Kurzvorträgen, gefolgt von einer offenen Diskussion. Daneben stehen längere Übersichtsvorträge, Kurse und Live-Übertragungen aus dem Operationssaal auf dem Programm.
Vortrag 1: Beinachse korrigieren und Knorpel ersetzen
Donnerstag, 10. September 2026, 16:08–16:16 Uhr
Session 10 – Osteotomy Around the Knee: Modern Concepts and Surgical Strategies
„High Tibial Osteotomy Combined with Autologous Cartilage Transplantation: A Second Look Study“
Bei ausgeprägtem O-Bein wird die Innenseite des Kniegelenks über Jahre stärker belastet als die Außenseite. Der Knorpel kann sich dort schneller abnutzen. Beim X-Bein ist es umgekehrt.
Hier setzt die hochtibiale Osteotomie an: eine Umstellungsoperation am oberen Schienbein. Der Knochen wird durchtrennt und in korrigierter Stellung wieder fixiert. Ziel der Operation ist es, die Beinachse zu korrigieren und dadurch die Belastungsverteilung im Knie gezielt zu verändern.Die Operation verfolgt einen gelenkerhaltenden Ansatz und unterscheidet sich damit grundsätzlich von einem künstlichen Gelenkersatz.
Was der Eingriff nicht leistet: bereits verlorenen Knorpel zurückbringen. Sie nimmt Druck von der geschädigten Stelle, füllt sie aber nicht auf. Deshalb wird sie in bestimmten Fällen mit einer Knorpeltransplantation kombiniert. Bei einer autologen Knorpeltherapie wird körpereigenes Knorpelgewebe für die Behandlung eines Knorpeldefekts verwendet. Je nach Verfahren wird das entnommene Gewebe aufbereitet oder im Labor weiterverarbeitet und anschließend in den geschädigten Bereich eingebracht. „Autolog“ ist der Fachausdruck dafür, dass das Gewebe vom Patienten selbst stammt.
Bleibt die Frage, wie sich dieses eingesetzte Gewebe über die Jahre hält. Röntgen und MRT zeigen davon nur einen Teil. Befragungen sagen etwas über die Beschwerden aus, aber nichts über den Knorpel selbst. Eine Second-Look-Untersuchung geht direkter vor: Das operierte Gelenk wird nach einiger Zeit erneut arthroskopiert, also mit einer kleinen Kamera von innen betrachtet. So lässt sich das behandelte Knorpelgewebe direkt unter arthroskopischer Sicht beurteilen. Die Session behandelt Umstellungsoperationen am Knie insgesamt, etwa die Frage, wann an Schienbein und Oberschenkel zugleich korrigiert wird und welche Operationstechnik für welche Situation geeignet ist.
Vortrag 2: Wann das neue Kreuzband allein nicht reicht
Freitag, 11. September 2026, 13:38–13:46 Uh
APKASS-ESSKA Session – Complex Injuries Around the Knee
„When Do You Consider Additional LET in ACL Reconstruction?“
Bei einer ACL-Rekonstruktion wird das gerissene vordere Kreuzband durch ein Transplantat ersetzt. In bestimmten Situationen kann zusätzlich eine Stabilisierung an der Knieaußenseite erwogen werden.
Trotz einer ACL-Rekonstruktion kann bei einzelnen Patientinnen und Patienten eine Rotationsinstabilität des Knies bestehen bleiben oder erneut auftreten. In solchen Situationen kann eine zusätzliche Stabilisierung an der Knieaußenseite erwogen werden. Ein Sehnenstreifen wird dort so gespannt, dass er die Rotation des Unterschenkels zusätzlich begrenzt. Der Fachbegriff dafür ist laterale extraartikuläre Tenodese, kurz LET.
Wann eine zusätzliche LET bei einer ACL-Rekonstruktion erwogen werden kann, darum geht es in diesem Vortrag. Im Vortrag werden unter anderem Faktoren wie Rotationsinstabilität, Revisionssituationen und anatomische Besonderheiten thematisiert. Die Sitzung findet gemeinsam mit der europäischen Fachgesellschaft ESSKA statt. Thematisiert werden komplexe Knieverletzungen – von Bandinstabilitäten bis zu Rissen der streckenden Sehnenapparate.
Zur Person
Prof. Dr. med. Rainer Siebold ist am Internationalen Zentrum für Orthopädie an der ATOS Klinik Heidelberg tätig und verfügt über langjährige operative Expertise in der Kniechirurgie, insbesondere in der Knieendoprothetik, Knorpeltransplantation, Behandlung der Kniearthrose, Kreuzband- und Meniskuschirurgie sowie der operativen Behandlung der Kniescheibe.
Die hier beschriebenen Verfahren stammen aus Vorträgen eines wissenschaftlichen Fachkongresses. Ob eines davon im Einzelfall infrage kommt, lässt sich nur nach persönlicher Untersuchung und Beratung beurteilen. Dieser Text ersetzt kein Arztgespräch.

FAQ-Block
Was ist eine hochtibiale Osteotomie?
Eine hochtibiale Osteotomie ist eine Umstellungsoperation am oberen Schienbein. Dabei wird die Beinachse korrigiert, um die Belastungsverteilung im Knie gezielt zu verändern. Sie kann unter bestimmten Voraussetzungen bei einer Fehlstellung der Beinachse eingesetzt werden. Ob sie im Einzelfall geeignet ist, wird anhand der individuellen Befunde beurteilt.
Warum wird die Umstellungsoperation mit einer Knorpeltransplantation kombiniert?
Die Umstellung verändert die Belastungsverteilung im Knie, behandelt einen bestehenden Knorpeldefekt aber nicht unmittelbar. Bei einer autologen Knorpeltherapie wird körpereigenes Knorpelgewebe für die Behandlung eines Knorpeldefekts verwendet. Je nach Verfahren wird das entnommene Gewebe aufbereitet oder im Labor weiterverarbeitet und anschließend in den geschädigten Bereich eingebracht. In geeigneten Fällen können beide Behandlungsansätze kombiniert werden.
Was bedeutet LET bei einer Kreuzbandoperation?
LET steht für laterale extraartikuläre Tenodese. Dabei wird an der Knieaußenseite ein Sehnenstreifen so gespannt, dass er das Verdrehen des Unterschenkels zusätzlich bremst. Der Eingriff kann ergänzend zum Ersatz des vorderen Kreuzbandes durchgeführt werden.
Wann kommt eine zusätzliche LET infrage?
Ob eine zusätzliche LET infrage kommt, hängt von verschiedenen individuellen Faktoren ab. Dazu können unter anderem die Art und Ausprägung einer Instabilität, eine vorausgegangene Kreuzbandoperation und anatomische Faktoren gehören. Die Entscheidung erfolgt auf Grundlage der individuellen Befunde.
Was ist eine Second-Look-Untersuchung?
Dabei wird das operierte Gelenk nach einiger Zeit noch einmal gespiegelt, also mit einer kleinen Kamera von innen angesehen. So kann das behandelte Knorpelgewebe direkt unter arthroskopischer Sicht beurteilt werden.




